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Die Tage vergingen, Jahre zogen durchs Land und die Stadt blieb gleich. Vielleicht waren die Wände noch etwas grauer, die Kleidung der Bewohner noch zerschlissener und ihre Hälse am Abend noch verdreckter, sowie die Augen noch leerer. Immer noch saß eine Person in einem dunklen Versteck, wenn die Bewohner morgens in die Fabrik schlurften. Nur war es nun kein kleines Mädchen mehr sondern eine junge Frau die dort im dunklen saß.
Als an diesem Morgen die schlurfenden Schritte der Bewohner, gefolgt vom Knirschen und Knarren des großen Tores der Fabrik verklungen waren, stand Hermine auf, öffnete die Türe ihres Versteckes vorsichtig und späte nach draußen. Nur Stille kam ihr entgegen als sie sich durch die Türe schob
und ihr Versteck das erste Mal ohne die Erlaubnis der Mutter verlies. Leise schlich sie durch die Wohnung, immer wieder bereit in ihr Versteck zu verschwinden. Doch nichts geschah. Niemand kam um sie einfach abzuholen. Es wusste einfach keiner dass sie da war. Den ganzen Tag wanderte sie in der Wohnung umher, genoss das bisschen Freiheit. Erst als sie die Uhr fünfmal schlagen hörte, lief sie in ihr Versteck und schloss die Türe. Sie fühlte sich wie eine Entdeckerin die gerade ein neues land gefunden hatte. Doch diese Entdeckung würde sie für sich behalten.
Jeden Morgen nun, wenn sie das knirschende Geräusch der Tore hörte, verließ sie ihre dunkle Kammer. Zu Beginn streifte die nur durch die Wohnung und betrachtete die Stadt durch das Fenster im fahlen Licht des Tages, welches gedämpft wurde durch die dicken grauen Dunstschwaden über der Stadt. Und doch kam ihr dieses Licht so hell, so wunderbar vor, hatte die bisher doch nur die Welt des Nachts gesehen.
Nach ein paar Tagen wagte es Hermine sogar die Wohnung zu verlassen, erkundete das Haus in dem sie wohnte und dann die nahe Umgebung. Immer weiter dehnten sich ihre Streifzüge aus, immer mehr gab es zu entdecken. Die anderen Häuser, Straßen und leere Plätze. So wunderbar erschien ihr diese Welt und immer wenn die große Uhr fünfmal schlug, war sie wieder in ihrem dunklen Versteck als hätte sie es nie verlassen. Wenn ihre Mutter abends nach Hause kam, begann sie vorsichtig Fragen zu stellen. Wie denn die Welt so sei und was denn dort geschähe wo ihre Mutter jeden Tag hinginge, wollte sie wissen. Doch nur mahnende Worte hatte die Mutter für ihre Tochter. Dass sie ihr Versteck niemals verlassen sollte, sonst würden ihr gar schreckliche Dinge passieren. Hermine überhörte die Worte der Mutter nicht, und doch wusste sie, dass eben nichts Schlimmes geschah wenn sie das Versteck verließ. Doch sie konnte sich der Mutter nicht anvertrauen, denn sie wusste, die Mutter würde ihr verbieten noch einmal nach draußen zu gehen und dann vielleicht sogar jeden Morgen die Türe des Verstecks absperren. Und dann wäre sie wieder gefangen in der Dunkelheit. So schwieg Hermine.
Forsetzung folgt…