Leseratte

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Die Fabrik – Teil 6

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Doch jeden Tag verließ sie ihr Versteck und erkundete die Stadt. Immer weiter zog sie ihre Kreise, bis sie eines Tages vor den hohen Mauern der Fabrik stand. Erschrocken presste sie die Hände auf den Mund und lief so schnell sie konnte zurück. Zurück in die Sicherheit ihres Verstecks. Keuchend saß sie in der kleinen Kammer. Lauschen auf jedes Geräusch von draußen, doch wieder geschah nichts, Keine Sirenen heulten. Keine schweren Schritte von großen bewaffneten Männern kamen näher. Einfach nur stille lag über der Stadt. So als hätte Hermine nicht diesen Frevel begangen. Diesen und den nächsten Tag verweilte Hermine in ihrer Kammer. Sie wagte es nicht aus ihrem Gefängnis auszubrechen. Und dann geschah etwas Seltsames. Der Abend kam. Dicht lag der graue Nebel zwischen den Straßen. Dröhnend schlug die Uhr fünfmal. Die Tore der großen Fabrik öffneten sich, gefolgt von dem schlurfenden Geräusch vieler tausender Schritte.

Doch dann, nichts. Keine Mutter die hereinkam und die Türe zum Versteck öffnete. Erst wartete Hermine still doch dann begannen ihr die Tränen über die Wangen zu laufen. Sie war sich sicher, die Mutter kam nicht, weil sie sich aus ihrem Versteck bis zur Fabrik vorgewagt hatte. Es konnte gar nicht anders sein. Die Mutter wurde ihretwegen bestraft. Die ganze Nacht lang wartete Hermine, doch die Mutter kam nicht mehr. Tage vergingen und Hermine blieb still in der Wohnung, doch die Mutter kam trotzdem nicht mehr. Nichts geschah. Nach fünf Tagen, als die Fabrik morgens wieder alle Bewohner verschluckt hatte, beschloss Hermine dorthin zu gehen, von wo ihre Mutter nicht mehr zurückkam. So verließ sie die kleine Kammer und ging geradewegs auf die Fabrik zu. Doch natürlich konnte sie nicht hinein, war doch das schwere Tor bis zum Abend fest verschlossen. So streifte sie der Mauer entlang, bis sie in eine dunkle, dreckige Gasse kam und da, sie traute ihren Augen kaum, eine Türe in der dicken Mauer, die die Fabrik umgab entdeckte, und diese Türe stand offen! Hermine nahm all ihren Mut zusammen und trat hindurch. Was sie dahinter erblickte, wollte sie erst nicht wahrhaben und sie schloss fest die Augen. Doch der Anblick blieb der gleiche. Keine grauen Mauern erwarteten sie dort, kein Schmutz und Gestank wie sie es erwartet hatte. Ein blühender grüner Garten offenbarte sich ihr. Vorsichtig berührte sie das Gras, denn ihren Augen wollte und konnte sie nicht trauen. Noch niemals in ihrem Leben hatte sie Gras gesehen, geschweige denn gespürt. Natürlich gab es in den Geschichten die ihr die Mutter erzählt hatte immer grüne Wiesen und Wälder. Doch sie hatte nicht gewusst wie wunderschön Gras ist. Vorsichtig ging sie durch den Garten, mit großen glänzenden Augen blickte sie um sich. Auf der anderen Seite des Gartens befand sich ein Haus aus roten Ziegeln und auch hier stand eine Türe wieder leicht offen. Vorsichtig tapste Hermine ins Unbekannte. In dem Raum in dem sie sich nun befand, gab es jede Menge blinkende Lichter und runde Knöpfe über denen sonderbare Zeichen standen. Hermine konnte der Versuchung nicht widerstehen und drückte auf einen der Knöpfe. Ein lautes Knirschen erklang, genau ein solches Geräusch, wie jenes wenn sich das Tor der Fabrik öffnete. Wie einen Blitz traf es Hermine. Es war das Geräusch des Tores! Sie hatte es soeben geöffnet. Gleich würde man sie holen und sie für dieses Verbrechen schwer bestrafen. Sich ihres Schicksaals hingeben blieb sie einfach stehen.

Fortsetzung folgt…

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