Leseratte

Ein kleiner Blog über die große Welt der Bücher

Abschied von Esteban

Viele Tage wanderte sie nun schon durch die Länderein. Unruhig war ihr Herz. Das Gefühl von Heimat war verloren. Es gab keinen Punkt mehr zu dem sie zurückkehren konnte, wenn sie des Wanderns müde war. Und auch die Drachen selbst waren unruhig. Oft traf sie Aoth nun in ihren Träumen, so auch an diesem Abend. Wie die meisten Nächte hatte sie ihr Lager im Wald aufgeschlagen. Es war warm genug und dies war ihr noch am meisten Heimat zurzeit. Erst noch dankte sie der Mutter, sie in ihrem Haus weilen zu lassen, dankte Ihr für Ihren immer während Schutz. Kaum hatte sie sich gebettet und die Augen geschlossen. Spürte sie schon die Anwesenheit Aoths.

Erst war es noch schwarz um sie, sie spürte nur dass jemand hier war, jemand der ihr sehr vertraut war. Dann begann die Dunkelheit zu schwinden und eine große Lichtung Offenbarte sich ihr, auf der Aoth in Ihrer menschlichen Gestalt unruhig auf und ab ging. Sie hob den Kopf als Narthoniel die Lichtung betrat, und erleichtert sprach sie:“ Gut das du hier bist mein Kind. Es liegt etwas Schlimmes in der Luft. Und wir sind uns nicht sicher was es ist.“ Aoth ging direkt auf Narthoniel zu und ihr Ausdruck war ernst ebenso die Stimme. Ja die Lage musste ernst sein, denn so hat Narthoniel Aoth selten gesehen. „ Was ist es Aoth, das euch vier bedrückt? Ich will mein bestes geben um es abzuwenden.“

„ Du weißt Narthoniel, wir sind besorgt um die Gemeinschaft. Ihr geht getrennte Wege, ihr habt keine gemeinsame Heimat mehr und ihr habt keinen der die Gemeinschaft mit starker Hand lenkt. Wir sorgen uns dass wenn es so weiter geht, die Gemeinschaft zerbricht und wir wieder vom Antlitz dieser Welt verschwinden.“

„Nein, das werde ich niemals zulassen. Wir werden wieder zusammen finden, das spüre ich in meinem Herzen Aoth. Blicke ruhig hinein und du wirst dasselbe sehen“ sprach Narthoniel mit aufgeregter Stimme. Doch Aoth deutete ihr Still zu sein und fuhr selbst fort.

„Doch das ist es nicht was uns im Moment die größte Sorge bereitet. Es ist Xaughast, er wandelt wieder und er heckt einen Teuflischen Plan aus. Wir spüren wie er immer wieder seine widerlichen Schwingen über Tetharion hebt. Wie er immer wieder seine grässlichen Augen über das Land schweifen lässt. Er sucht jemanden. Doch nicht ein Opfer, ein Werkzeug. Doch wofür das wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht wen es treffen soll, nur das es eines unserer Kinder ist.“ besorgt blickt Aoth auf Narthoniel, welche in Gedanken versunken langsam auf und ab geht.

„Esteban! Er weilt soweit ich weiß als einziger zurzeit auf Tetharion. ich muss zu ihm. Ich muss ihn warnen.“

„ Dann geh mein Kind, und verrichte dein Werk, wenn es nicht schon zu spät ist. Eile dich, Narthoniel“

Mit einem schrecken fährt sie aus dem Schlaf hoch, rafft ihren Beutel zusammen und läuft durch den Wald in Richtung Calderah Hafen. Nach einer Stunde durch den dunklen Wald erreicht sie außer Atem den Hafen und sieht eben das letzte Schiff im Horizont verschwinden. „ Wann fährt das nächste Schiff gen Tetharion“ wendet sie sich an den Hafenmeister. „Zur 6 Morgen Stund erst wieder wehrte Lady, Da hab’n sie noch viel Zeit zum Ausruhen, und ein Frühstück zu euch z’nehmen.“ Entmutigt sinkt Narthoniel auf die nächsten paar Kisten die dort stehen. Ich hoffe ich bin schnell genug denkt sie bei sich selbst. Sorgenvoll blickt sie immer wieder aufs mehr hinaus, und ihr Blick geht auch immer wieder zum Horizont.

„M’Lady, M’Lady, wachns auf, das Schiff nach Tetharion is da, dort wolltns doch hin, oda nich?“ Unsanft wacht sie aus ihrem unruhigem Schlaf aus. Über ihr steht der Hafenmeister der sie an der Schulter rüttelt. „ Danke.“ ist alles was sie hervor bringt. Schnell steht sie auf, und besteigt das Schiff.

Gar schreckliche Dinge hat sie in ihrem Traum gesehen. Das sie schon zu spät sein würde. Das ihre Warnung zu spät kommt und Esteban schon in Xaughasts Falle tappte. Das er dagegen ankämpft, doch seine Kraft nicht reicht. Unruhig steht sie an der Reling des Schiffes, die Stirn in sorgenvolle Falten gelegt. Kaum merkt sie das unruhige Schaukeln des Schiffes auf See. Nicht merkt sie, wie ihr die Gischt immer wieder bis ins Gesicht spritzt. In dem Moment in dem sie den Hafen von Tetharion erblickt, spürt sie auf einmal einen furchtbaren Schmerz, der sie auf die Knie zwingt. Da begreift sie das es kein Traum war, sondern eher eine Vision. Sie ist zu spät. Endlich hat das Schiff angelegt und eilig läuft sie in die Stadt hinein. Eine seltsame Ruhe liegt über der Stadt. Eben als sie am Heilerhaus vorbei eilen will, bleibt sie doch stehen und wendet sich zur Türe. Eine Frau kommt mit blassem Gesicht heraus und spricht leise: „ Er ist tot, der Sire ist tot.“

Alle Farbe weicht aus Narthoniels Gesicht. Sie kam zu spät. Sie konnte ihm nicht mehr helfen. Ohne irgendetwas war zu nehmen lief sie aus der Stadt, sie lief und lief, und tränen tiefstes Schmerzens rannen über ihr Gesicht. Sie lief so lange bis ihre Beine sie nicht mehr tragen wollten und sie sank in sich zusammen. Lange lag sie so am Waldboden, und ihre Tränen kannten kein Ende mehr. Eine Stille legte sich über den Wald als würde er mit ihr trauern. Die Stunden vergingen, die Sonne zog ihre Bahnen und begann zu verschwinden und Dunkelheit legte sich über die Welt. Erst da richtete sich Narthoniel wieder auf. Ihr Gesicht war verzogen vom Schmerz um den Tod des Freundes.

Doch sie wusste was nun zu tun war. Sie musste ihm den Weg ins Totenreich erleichtern und die Mutter würde ihr dabei helfen. So ging sie denn zurück zur Stadt, die Kapuze ihres Umhangs tief ins Gesicht gezogen. Schnell suchte sie sich die Dinge zusammen die sie brauchen würde, und verließ die Stadt so schnell als möglich wieder.

Sie suchte sich die kleine Lichtung mit der Quelle auf der sie schon so viele Stunden zu gebracht hatte. Als der Mond eben seinen höchsten Punkt zu erreichen schien begann Narthoniel 5 schwarze Kerzen in der Form des Pentagramms auf zu stellen. Sie entledigte sich ihrer einfachen Kleidung und begann an der Quelle mit der rituellen Reinigung. Sie bat die Mutter darum alle anderen Gedanken von ihr zu nehmen, alles Schlechte sollte das Wasser hinfort spülen. Anschließend streifte sie eine schwarze Robe über und trat in die Mitte des Pentagramms. Sie zündete die Kerzen an, in der Reihenfolge das sie mit ihren Schritten das Pentagramm zeichnete. Dann stellte sie sich selbst ins Zentrum des ganzen mit ihrem Dolch in der Hand. Leise begann sie die Worte zu murmeln, dann etwas lauter werdend:

Ich rufe die Mutter der Lebenden

Ich rufe die Mutter der Toten

Ich bitte sie um ihre Hilfe in dieser Stunde

Dreifaltigkeit, Mutter der Götter, Mutter der Flüsse, Du, die die Toten umarmst, so wie sie unsere Welt. Sei mit mir in dieser Nacht und unterstütze den gang eines Verstorbenen. Geleite ihn in das Reich der Toten. Öffne das Tor für ihn, der bekannt war unter dem Namen Esteban. Erleichtere ihm den Weg, auf das er nicht auf ewig in der Zwischenwelt wandere.

Ich opfere dir mein eigen Blut den darin wirst du ihn erkennen. Mein herz ist erfüllt von liebe zu ihm, und diese liebe möge dich zu ihm führen. Auf dass du Ihn in das reich des Todes führen magst.

Dann erhebt sie den Dolch führt in an die linke Hand und schneidet tief in die Handfläche, bis das Blut zu tropfen beginnt.

Mutter, ich bitte dich, nimm dieses Opfer von mir an, und erfülle mir diesen Wunsch. Geleite ihn in die Welt der Toten. Auf das er keine Schmerzen mehr erleidet.

Ich rufe die Mutter der Lebenden
Ich rufe die Mutter der Toten
Ich bitte sie um Ihre Hilfe in dieser Stunde.

Danach verweilt sie in stille, bis der Blutstrom ihrer Hand versiegt. Gierig scheint die Erde das Blut auf zu saugen. Die Mutter scheint das Opfer an zu nehmen. Nach einer weiteren halben Stunde der Stille. Geht sie den gleichen Weg ab wie zuvor und erlischt eine Kerze nach der anderen. Dann legt sie die schwarze Robe ab und tauscht es gegen ihr Trauergewand. Sie hat Esteban den einzigen Dienst erwiesen, dem sie ihm noch erweisen konnte. Für alles andere kam sie zu spät. Sie hat ihren ältesten Freund verloren, und den Mann den sie heimlich geliebt hat, dem sie eines Tages die ganze Wahrheit eröffnen wollte.

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