Leseratte

Ein kleiner Blog über die große Welt der Bücher

Dank der Mutter

Einiges an Zeit war vergangen, seit Narthoniel aus dem Reich der Mutter zurückgekehrt ist. Viel gab es zu verarbeiten für sie, doch auch wurden neue Freunde gefunden. Es war wieder ein wenig Frieden in ihr Leben eingekehrt und es war an der Zeit der Mutter zu danken.

So nahm sie denn den all zu kunstfertigen Dolch den ihr Miriam eben erst angefertigt hatte. Er war wirklich äusserst reich und schön verzieht. Mit Efeublättern und einem Drachen am Griff. Vorsichtig wickelte sie den Dolch in das Seidentuch und legte ihn dann in den Rucksack.

Als nächstes nahm sie eine Silberne Schnabelkanne, ebenfalls fein verziert mit Efeublättern. Mit einem lächeln wickelt sie auch diese Kanne in ein Seidentuch und legt sie zu dem Dolch in den Rucksack.

Nun wurden noch ein paar Kerzen dazu gelegt, sowie ein kleines Fässchen Honig und eine Flasche mit tief rotem, süßlichem Wein. Ein wenig Räucherwerk, Zündholz, und obenauf eine fein bestickte, grüne Ritualrobe, auch sie war reich verziert mit Efeu- Ornamenten.

Fest verschnürrte sie den Rucksack, und verliess dann die Taverne in der sie unterkam. Hell schien der Mond noch am Himmel, und klar war die Nacht. So konnte man allerlei Sterne am Himmel erkennen.

So machte sie sich auf den Weg, nach dem geeigneten Ortzu suchen an dem sie der Mutter zu danken gedachte. Lange wanderte sie einher, es mögen wohl einige Stunden vergangen sein, als sie endlich jene Stelle fand, die sie gesucht hatte. Mitten im Wald eingebettet lag eine kleine Lichtung in deren Mitte ein kleiner Quell entsprang. Alles lag in tiefem Schnee und dennoch barg die Lichtung einen besonderen Ort.

Vorsichtig lässt sie den Rucksack zu Boden gleiten, und öffnet ihn mit sorgfalt. In Ruhe antkleidet sie sich ganz, und wirft sich nur die grüne Ritualrobe über. Ihr Blick scheint in der ferne zu Weilen während sie dies tut. Sammelt sie sich doch eben und reinigt bei ihrem Tun ihren Geist. Nichts darf nun mehr ihre Gedanken trüben, wenn sie der Mutter danken will.

So nimmt sie denn die Kerzen und stellt sie in einem Kreis um sich, neben dem Quell, auf, fünf Kerzen sind es an der Zahl. Ist dies getan nimmt sie das Räucherwerk zur Hand und gibt es in die kleine Räucherschale und stellt dies in den Kreis, auch Honig und Wein wird dazu gestellt, und zuletzt wird noch der Dolch und der Schnabelkrug dazu gestellt.

Ein kleiner Altar ist nun Entstanden in dessen Mitte sie, vom Mond beleuchtet, kniet. Die rabenschwarzen Haare trägt sie, wie niemals sonst, offen, so dass sie ihr weit über die Schultern bis zum Boden wallen.

Mit einem lächeln hebt sie nun den Blick, nimmt Zundzeug zur Hand und entzündet eine Kerze nach der anderen. Doch nicht in der Reinfolge in der sie stehen, sondern so das wenn man Linien ziehen würde, sich ein Pentagramm ergibt. Beim entzünden einer jeden Kerze spricht sie leise:

Dieses Licht entzünde ich für dich, oh Mutter Natur

Du bist die Mutter allen Lebens,

und auch das Feuer ist ein Teil von dir,

Dieses Licht entzünde ich für dich, oh Mutter Natur

Nachdem die Kerzen entzündet sind, wird auch das Rauchwerk angezündet und ein süßlicher Duft breitet sich auf der Lichtung aus. Während sie das Rauchwerk entzündet spricht sie wiederum leise:

Diesen Duft bring ich dir dar, oh Mutter Natur

Du bist die Mutter allen Lebens,

süßlich, lieblich soll er sein, wie die Blumen, Kinder dein.

Diesen Duft bring ich dir dar, oh Mutter Natur

Mit dankendem Blick nimmt sie nun die silberne Kanne zur Hand und schöpft frisches Wasser aus dem Quell. Langsam giesst sie dann das eben sorgsam geschöpfte Wasser vor sich aus, und spricht dazu leise:

Dieses Quellwasser, rein und unberührt, oh Mutter Natur

Vergiese ich nun, um deine Reinheit zu preisen.

Dieses Quellwasser, rein und unberührt, oh Mutter Natur

Anschließend nimmt sie den Wein, zieht sorgsam den Korken heraus und giesst den dunklen Wein dann ebenso vor sich aus, wobei sie nun spricht:

Dieser Wein gewonnen aus deinen Früchten, oh Mutter Natur

vergiese ich nun um dir meine Dankbarkeit zu zeigen

möge er deinen Boden tränken und du meinen Dank somit aufnehmen

Dieser Wein gewonnen aus deinen Früchten, oh Mutter Natur

Dann nimmt sie das kleine Fässchen Honnig und stülpt es so über, dass der süße Nektar langsam auf die weiche und durchdränkte Erde tropft. Dazu spricht sie leis:

Diesen Honig, gewonnen von deinen Kindern, den Bienen, oh Mutter Natur

Vergiese ich nun um dir meine Dankbarkeit zu zeigen

Möge er deinen Boden tränken und du meine Dankbarkeit so spüren

Diesen Honig, gewonnen von deinen Kindern, den Bienen, oh Mutter Natur

Zuletzt nimmt sie den Dolch zur Hand und dreht ihn langsam in der Hand, grünlich schimmert die Klinge im Schein der Kerzen. Langsam hebt sie ihn dann an, führt ihn in die höhe ihres Halses. ZIRRR. Erklingt es leise als sie sich eine ihrer Haarsträhnen abschneidet. Diese legt sie dann auf die mit Honig und Wein getränkte Erde und spricht:

Diese Strähne meines Haares gebe ich dir, oh Mutter Natur

Als einen Teil von mir,

du gabst mir das Leben,

du bewahrtest mein Leben,

und wenn die Zeit gekommen ist wirst du mir mein Leben nehmen.

Doch nimm diese Gaben oh Mutter Natur

Denn damit will ich dir danken, danken für deine Herrlichkeit

Danken für deine Sanftheit

Danken für deine Gutmütigkeit.

Oh Bewahrerin meines Lebens nimm diese Gaben als Zeichen meiner Dankbarkeit.

Mit diesen letzten Worten verstummt sie, und still senkt sich ihr Blick, langsam schließen sich dann ihre Augen. Leise rauscht der Wind in den Bäumen und lässt leise die Blätter erzittern, kurz flammt eine der Kerzen etwas mehr als die anderen auf. Kurz mag das Wasser des Quells anschwellen, und kurz mag die Erde unter ihr leicht beben.

Stunden mag sie wohl so dagesessen sein, die Augen geschlossen, die Stimme der Natur vernehmend. Die Kerzen sind herabgebrannt, das Rauchwerk erloschen, und an der Stelle an der sie Wasser, Wein, Honig und ihre Haarsträhne darbrachte, ist nur sanftiges grünes Gras zu sehen, dort wo der Schnee geschmolzen ward, und, ja, und ein junges grünes Efeupflänzchen, das sich seinen Weg durch den Schnee gebahnt hat.

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