Leseratte
Ein kleiner Blog über die große Welt der BücherCharakter – Neilinie D’Elbaeth
Mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen stand eine wunderschöne junge Frau an der Reling des Schiffes. Das Kleid umspielt sanft ihren wohlgeformten Körper und ihr Antlitz wirkt makellos in der untergehenden Sonne. Sie blickte auf das weite Meer hinaus. Leicht weht ihr rotes, leicht gewelltes, hüftlanges Haar im Wind. Mit moosgrünen Augen blickt sie den jungen Mann neben sich an. „Ihr wollt also mehr über mich wissen? Wollt wissen wie mein Leben bisher war?“. Leise Lacht sie nach diesen Worten und schüttelt etwas den Kopf. „Dann müsst ihr euch aber viel Zeit nehmen, mein Herr, denn das ist keine kurze Geschichte, denn ich bin nicht irgendjemand.“ Dabei blickt sie den neben sich wieder mit diesem durchdringenden verführerischen Blick an. „Erzählt, erzählt, junge Maid, ich möchte alles über euch wissen, einfach alles“, haucht der dunkelhaarige Jüngling neben ihr. „Nun dann hört mir genau zu, vielleicht werdet ihr dafür belohnt.“ So setzt sie an die Geschichte ihres Lebens zu erzählen.
„Wo ich geboren wurde, das weis ich nicht so genau. Meine Mutter erzählte mir immer, es sei ein wunderschöner strahlender Frühlingstag gewesen, der nur so vor Energie gesprüht hätte. Die Vögel hätten gejuchzt auf den Bäumen, die Blumen hätten sich voller Stolz präsentiert, und die Grashüpfer seien höher Gesprungen den je zuvor. Sie meinte immer es sei ein Zeichen meines Kommens gewesen, dass die Natur an diesem Tag so kraftvoll gewesen sei. Ihr müsst wissen meine Mutter, sie war eine Tochter der Natur. Sie konnte immer ganz genau fühlen was um sie herum geschah, manchmal war das einschüchternd, aber es zeigt nur wie stark meine Mutter war. So wurde ich also an einem kräftigen Frühlingstag von dieser starken Frau auf diese Welt gebracht. Doch leider konnte ich nicht mit ihr mitgehen, denn sie musste eine Aufgabe erfüllen, so erzählte sie mir, und erst dann könne sie in Frieden und Ruhe zu mir zurückkommen. Doch wenn ich alt genug wäre, dann dürfte ich mit ihr kommen, in die weite Welt, und helfen daraus einen noch schöneren Ort zu machen. Sie kam mich besuchen so oft sie konnte, manchmal da blieb sie sogar für mehrer Monate, doch manchmal da konnte sie für ein paar Jahre nicht zurückkehren. Aber es ging mir nie schlecht bei meiner Ziehmutter Lynwen. Sie war eine gute Frau, meiner Mutter immer ergeben. Sie meinte immer meine Mutter hätte ihr das größte Geschenk gemacht, das man nur machen könne, und deshalb würde sie sich immer um mich kümmern. Um was es sich dabei handelt das sagte sie nie, und um ehrlich zu sein, ich fragte auch nicht nach. Ich denke Lynwen hatte es nicht leicht mit mir. Ich war ein Wildfang wenn man dass so sagen will, Ich lief, ich schrie, ich raufte mich mit den Nachbar Bälgern. Ich tat immer Dinge die einem Mädchen nicht geziemten. Ich hatte Schrammen und blaue Flecken wo man sich nur vorstellen konnte. Ich strotzte nur so vor übermut. Vielleicht tue ich das auch heute noch. Jeden morgen war das erste das ich tat, auf meine Fensterbank zu klettern und zu schauen ob meine Mutter gekommen war, denn dann stellte sie ihr Pferd immer genau unter mein Fenster dass ich sofort wusste ob sie da war. Die Jahre zogen ins Land und aus einem Wilden ungebändigten Kind wurde ein Mädchen das noch genauso ungebändigt war. Oft hat Lynwen versucht mich in schöne Kleider zu stecken und mit mir in die nächste Stadt zu fahren, und gar Bälle zu besuchen. Zu Beginn waren dies nur äußerst langweilige Ausflüge, doch dann, dann erblickte ich auf einmal solch junge Herren wie euch.“ Und dabei blickt sie verschmitzt zu dem jungen Recken neben sich an der Reling. „Ab da an, ging ich so gar gerne zu diesen Veranstaltungen, nur um dieser jungen Herren willen, war es doch allzu amüsant zu sehen, wie sie mir den Hof machten. Ihr müsst bedenken ich war damals erst an die 15 Sommer alt. Da ist man so etwas noch nicht gewohnt. Doch als mein 16. Geburtstag näher rückte, da war eine ganz andere Vorfreude in mir. Nämlich die, meine Mutter wieder zu sehen. Denn ich wusste dass ich nun alt genug sei, mit ihr mit zu gehen in die weite Welt. In diese unbekannten Länder die erst erforscht werden müssen. Sie hatte es mir versprochen, dass die zeit nun gekommen sei, und dass sie mich an diesem Tag abholen würde. So kam es das ich früh morgens aus dem Bett sprang, und zum Fenster eilte um hinunter zu sehen ob meine Mutter schon da war, und wahrhaftig ihr Pferd stand unten an der Gartentür. Ohne mich umzuziehen rannte ich nur mit einem Nachthemd in die Stube hinunter und wollte meiner Mutter um den hals fallen. Doch dort unten war nicht meine Mutter. Lynwen saß mit roten Augen am Tisch und daneben stand ein großer Mann mit einem Umhang, bestickt mit lauter kleinen schwarzen Drachen. Mit traurigen Augen blickte er mich an als ich so spärlich bekleidet vor ihm stand. Wo meine Mutter sei fragte ich Lynwen, doch die schüttelte nur den Kopf. Da kam der Mann mit dem Drachenemblem auf mich zu reichte mir einen Brief und sprach mit leiser Stimme: „Es tut mir leid, kleine, aber deine Mutter verstarb vor einer Woche.“ Ungläubig starrte ich ihn an, und meinte er solle mich nicht belügen. Doch auch er schüttelte nur den Kopf und legte dann ein Bündel auf den Tisch. Ich erkannte es als jenes meiner Mutter. Und nie zuvor hatte ich solchen Schmerz empfunden. Tagelang verließ ich mein Zimmer nicht, ich konnte nicht glauben was geschehen war. Meine Mutter, tot. Das konnte nicht sein, doch es war so. Ein Pfeil aus dem Hinterhalt hatte sie getroffen als sie eben die Mauern der Stadt verlassen hatte. Der Mann der hier war hatte sie wohl geliebt. Doch das war mir einerlei in dieser Stunde. Ich wollte nur alleine sein. Nach diesem Tag hatte das Leben nicht mehr viel für mich zu bieten. Ich bete viel zu Morsans, denn zu ihm war meine Mutter gegangen. Nur in den Gebeten zu ihm fand ich Trost. So zog ein Jahr durchs Land, ohne das ich viel Notiz davon nahm. Doch dann hatte ich einen Entschluss gefasst. Ich verließ meine Ziehmutter, die dies schon kommen gesehen hatte, und zog aus um die Welt kennen zu lernen, um deren willen meine Mutter gekämpft hatte. Ich ritt auf meiner Mutters altem Ross durchs Land, hatte ihren alten Umhang um meine Schulter gewickelt, jenen Umhang mit den Drachenemblemen, jedoch waren sie auf ihrem Umhang grün. Ich ritt durch sanfte Hügel und über spitzes Gestein. Meist fand ich Unterkunft in Ställen, und manchmal sogar bei den Besitzern, die mir freundlich Anboten doch bei Ihnen im Haus zu nächtigen. Wenn es mich in eine Taverne verschlug wusste ich stets meine Vorzüge einzusetzen, um einen Schlafplatz für die Nacht zu ergattern, jedoch tat ich das nur bis zu einer Nacht. Wieder einmal kam ich erst spät abends in eine kleine Stadt und das einzige Gebäude in dem noch Licht brannte, war die Taverne. Ich trat ein ohne auch nur einen Funken Angst und sondierte schnell die Anwesenden. Erst versuchte ich den Wirten zu bezirzen dass er mir doch ein Schlafplätzchen überlassen sollte, doch er hatte wenig Interesse. So setzte ich mich an einen Tisch mit einem Herrn der doch einen recht anständigen Eindruck machte und brachte ihm mein Anliegen vor. All zu schnell willigte er ein und nahm mich mit nach draußen. Da hätte ich schon misstrauisch werden sollen, doch nein ich folgte ihm wie eine Motte dem Licht. Bei ihm zu Hause, meinte er das im Keller noch eine Strohmatratze sei, und ich leicht gläubig wie ich war ging in diesen dunklen modrigen Keller. Ja da war auch eine Matratze aber keine auf der ich nur eine Nacht verbringen sollte. Brutal zerrte er mich auf diese und Legte meinen Arm in eine rostige Kette, die so eng geschnürt war, dass sie permanent neue Wunden schürfte. Und dann nahm er sich das was er von Anfang an wollte. Er tat es wieder und wieder und wieder. Ich wusste nicht mehr ob es Tag oder Nacht war. Ab und an stellte er eine Schüssel mit einer widerlichen Brühe neben mich. Und ich aß sie gierig, denn ansonsten wäre ich verhungert. Doch ich brütete die ganze Zeit wie es mir gelingen konnte mich zu befreien. Und im Endeffekt war er es selbst der es veranlasste. Denn die Kost die er mir reichte war so mager das mein Arm dünner wurde und ich mich daraus winden konnte und als ich das Gefühl hatte, er habe das Haus verlassen floh ich so schnell mein geschundener Körper mich tragen konnte. Und wahrlich es gelang mir die Flucht. Etwa Drei Wochen hatte ich in diesem Verließ zu getragen, und doch hatte ich Glück, das mein Peiniger wohl nicht der Schlauste war. Denn im Stall stand immer noch mein Pferd und auch meine wenigen Habseligkeiten hatte er mir gelassen. Und so war ich schneller fort als er überhaupt merkte dass sein kleines Spielzeug verschwunden war. Und mir war es eine Lehre. So leichtfertig folgte ich keinem mehr, dem ich nicht gewachsen war. So zog ich weiter durch die Lande ohne bestimmtes Ziel, einfach nur um die Welt zu sehen. Diese Welt schien nun schmutzig und böswillig und ich begutachtete Jeden Menschen argwöhnisch. Doch bald sollte es sich zeigen dass es auch noch gute Menschen gab. So begab es sich dass ich mich spät abends in einen verlassen geglaubten Stall zurückzog, um dort die Nacht zu verbringen. Als ich auf einmal Geräusche an der Stall Türe hört. Schnell zog ich meinen Dolch, den ich mir nach meinem letzten Erlebnis besorgt hatte und hielt ihn vor mir auf die Türe gerichtet. Quietschend öffnete sich diese. Und ein etwas älterer Herr trat ein. Erstaunt sah er auf das kleine Bündel Elend das ich zu diesem Zeitpunkt noch war. Erschrocken kroch ich tiefer und tiefer in die Ecke und wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich mich in Luft aufgelöst. Der Mann meinte mit Ruhiger stimme, er heiße Beron und ihm gehöre dieser Stall, doch ich könne natürlich gerne hier die Nacht verbringen und ich bräuchte keine Angst vor ihm haben, er wolle nur sein Pferd hier anbinden. Dann führte er seine alte Stute herein, band sie an und verließ wieder den Stall. Angst erfüllt hockte ich dort für Stunden ohne den Blick von der Türe zu wenden. Doch irgendwann übermannte mich der Schlaf und ich wachte erst spät morgens wieder auf. Da fand ich neben mir eine kleine Schüssel mit Milch sowie ein großes Stück frisches Brot, beides verzehrte ich in Windeseile. Und als ich wieder aufblickte stand der Mann vom Vorabend in der Türe und lächelte mich an. „Komm Mädchen ich hab hier draußen noch mehr wenn du möchtest, ich liebe es immer in der Sonne zu frühstücken, denn dann werden meine alten Knochen wenigstens warm, hab keine Angst.“ Und obwohl es mir erst widersprach stand ich dann doch auf, und folgte ihm nach draußen wo sich wirklich noch mehr zu essen befand. Seiner Aufforderung folgend nahm ich noch eine Schale Milch und noch ein Stückchen Brot, war es doch schon eine Weile her dass ich etwas Ordentliches gegessen hatte. Während ich nun so da saß und vor mich hin aß erzählt mir der Mann dass er einst Krieger im Dienste seiner Majestät gewesen wäre, doch das er nun wohl schon zu alt sei, und ihm das eigentlich auch ganz recht sei, denn auf seine alten Tage hin, sollte man nicht mehr auf dem Schlachtfeld kämpfen müssen. Er bot mir an, ich könne solange ich wolle in seinem Stall schlafen solange ich ihm nicht sein Pferd erschrecke, und er hätte sicher auch immer genug für zwei zu essen da. Seine Worte Taten meiner geschundenen Seele gut und ich begann Hoffnung zu schöpfen dass es doch noch gute Menschen gibt. Und so beschloss ich ein wenig hier zu verweilen und mir die Geschichten des alten Kriegers an zu hören. Doch er hatte nicht nur Geschichten für mich. Nachdem er ja gesehen hatte wie erbärmlich ich meinen Dolch hielt, beschloss er mir ein wenig den Umgang mit Dolch und Schwert zu zeigen, und auch wie man sich richtig wehren konnte. Langsam zog der Herbst ins Land und es wurde kühler, und er bot mir eine kleine Ecke in seinem Haus an, nah genug an der Türe, das ich jederzeit fliehen konnte. Denn er spürte dass ich davor Angst hatte eingesperrt zu werden. Die Tage vergingen und ich lernte mehr und mehr von Beron. Ich war nicht ungeschickt im Umgang mit den Waffen und auch das Schild konnte ich recht gut halten. Ich genoss die Zeit mit ihm, er war so etwas wie ein Vater für mich, hatte ich doch noch nie einen Vater gehabt. Doch irgendwann musste der Abschied kommen und er kam auf unerwartete weise. Eines Tages stand ein Soldat seiner Majestät vor der Hütte und übergab Beron ein Schreiben. In diesem Befahl seine Majestät Beron hätte sich bei der nächsten Soldaten Wachstelle zu melden, denn jeder Mann der eine Waffe halten kann werde gebraucht. Und was sollte Beron auch anderes tun als seiner Majestät zu gehorchen. Doch er wusste, dass falls er in die Schlacht ziehen müsse, es seine letzte sein werde. Deshalb gab er mir sein zweites Schwert, einen guten Dolch und so manches andere, denn er meinte ich würde diese Dinge sicher brauchen können auf meinen Abenteuern. Dann gab er mir noch einen versiegelten Brief und bat mich darum diesen zu seinem Neffen zu bringen. Sein Neffe der solle auf der Insel Siebenwind im Tempel des Bellum in Rohehafen zu finden sein. So nahmen wir Abschied von einander. Und zogen in Unterschiedliche Richtungen davon. Ich in Richtung Hafen um auf die Insel Siebenwind überzusetzen und er in Richtung Stützpunkt der Wache. Und nun stehe ich hier, mit ihnen mein Herr, auf diesem Schiff dessen Ziel Siebenwind ist. Und dort werde ich mich dann auf die Suche nach Rohehafen und Berons Neffen machen.“ Nachdem sie geendet hat wirft sie dem jungen Mann neben sich wieder dieses verführerische Lächeln nach, und deutet ihm ihr doch zu folgen wenn er sich seine Belohnung abholen wolle.
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